Spargesetze treffen die Urologie mit voller Wucht – gleichzeitig rollt eine Regresswelle über Niedergelassene
Der BvDU warnt vor einer gefährlichen Doppelbelastung aus Reformdruck und Regressrisiken – und stellt seinen Mitgliedern praktische Hilfe an die Seite.
Spargesetze treffen die Urologie mit voller Wucht – gleichzeitig rollt eine Regresswelle über Niedergelassene
Es ist ein Doppelschlag, der die Urologie in diesem Herbst kalt erwischt: Auf der einen Seite ein Bündel an Spargesetzen der Bundesregierung, das die ambulante und stationäre Versorgung finanziell ausblutet. GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, KHVVG, KHAG und Notfallgesetz drücken Praxen und Kliniken die Luft ab. Auf der anderen Seite belastet eine wachsende Zahl an Regressforderungen der Krankenkassen und die Sorge und Unsicherheit vor weiteren Regressen Urologinnen und Urologen in Praxis, Klinik-Ambulanz und MVZ zusätzlich.
Besonders kritisch ist die Gleichzeitigkeit der Eingriffe durch die Reformen. Das KHVVG und das KHAG ordnen die Krankenhauslandschaft neu. Das NotfallG verändert die Akutversorgung und belastet Kliniken, KVen und Notdienststrukturen durch die Ausweitung der Inanspruchnahmen. Die Hybrid-DRG verschiebt viele urologische operativen Leistungen in sektorengleiche Vergütung mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Auswirkungen für Klinik und Praxis und hohen Anforderungen für strukturelle Anpassungen für alle. Das GKV-BStabG setzt die ambulante Versorgung unter massiven finanziellen Druck. Und in den Praxen wächst zugleich die Sorge vor Regressen – insbesondere dort, wo medizinisch notwendige, aber hochpreisige urologische Arzneimittel oder Diagnostik Gegenstand von Wirtschaftlichkeitsprüfungen werden.
Der Berufsverband der Deutschen Urologie (BvDU) warnt: „Die Botschaft der Politik lautet: mehr Aufgabe, weniger Geld, mehr Risiko. Das ist kein tragfähiges Versorgungskonzept“, macht der Berufsverband klar. „Mehr ambulante Leistung, mehr Steuerung, mehr Digitalisierung und mehr sektorübergreifende Versorgung – gleichzeitig zieht die Politik Geld aus dem System. Wer so plant, produziert keine Reform, sondern gefährdet die wohnortnahe Versorgung für Patientinnen und Patienten – und lässt Ärztinnen und Ärzte mit dem Risiko allein“, macht BvDU-Präsident Dr. Axel Belusa klar. „Mehr ambulante Leistung, Strukturreform mit Etablierung von Leistungsgruppen, Qualitätsstandards und Vorhaltekapazitäten bei gleichzeitiger Deckelung der Vergütung, Streichung der Refinanzierung der Lohnkosten und fehlender Innovationstätigkeit der Länder führt zur kalten Bereinigung der Kliniklandschaft.
Parallel dazu wächst bundesweit die Zahl der Prüfverfahren nach § 48 Abs. 1 Bundesmantelvertrag-Ärzte: Krankenkassen, wie AOK oder Barmer, fordern Regresse, etwa im Zusammenhang mit der Verordnung von Abirateron- und Präparaten wie Zytiga® oder bei Biosimilar-Verordnungen. Regresse treffen Ärztinnen und Ärzte persönlich. Sie greifen in Praxisliquidität, unternehmerische Planung und Therapiefreiheit ein. „Wer im Einzelfall leitliniengerecht behandelt, muss sich nicht nachträglich wie ein Kostenverursacher behandeln lassen“, macht der BvDU-Vorstand deutlich und weiter „Wirtschaftlichkeitsprüfung darf nicht zur Abschreckungsmaschine gegen moderne urologische Versorgung werden.“
Der BvDU steht dazu im engen Austausch mit Herstellern, Kostenträgern, Kassenärztlichen Vereinigungen und Patienten-Selbsthilfeorganisationen, um politischen Druck aufzubauen und strukturelle Probleme zu lösen. Parallel unterstützt der Berufsverband seine Mitglieder mit der UroAuxilia-Handreichung „Regressforderungen der Gesetzlichen Krankenkassen im Zusammenhang mit Verordnungen in Klinik-Ambulanzen, Praxen und MVZ“. Mit ihr bekommen Mitglieder des Berufsverbands konkrete Handlungsempfehlungen an die Hand – von der ersten Reaktion auf ein Prüfschreiben bis zum Umgang in laufenden Verfahren. Betroffene Mitglieder erhalten zusätzlich eine kostenlose Erstberatung durch den BvDU-Justitiar sowie Zugang zu einer kostenvergünstigten Ärzteregressversicherung für künftige Fälle.
Der Vorstand des Berufsverbands macht klar: „Wer Praxen und Kliniken über Spargesetze finanziell auszehrt und gleichzeitig über Regresse zusätzlichen Druck aufbaut, gefährdet am Ende die Versorgung der Patientinnen und Patienten.“ „Die Urologie ist bereit zur Transformation. Aber sie ist nicht bereit, politische Rechenfehler kostenlos auszubügeln“, bekräftigt BvDU-Präsident Dr. Axel Belusa für den Vorstand. „Wer die ambulante Urologie schwächt und gleichzeitig Prüf- und Regressrisiken verschärft, gefährdet Versorgung. Nicht auf dem Papier. Sondern im Wartezimmer, im OP, in der Onkologie und in der Nachsorge.
Der BvDU wird auf dem DGU-Kongress 2026 deutlich machen: Urologinnen und Urologen brauchen keine neuen Drohkulissen. Sie brauchen verlässliche Finanzierung, klare Regeln und Schutz vor ungerechtfertigter wirtschaftlicher Haftung für politisch erzeugten Mangel.
Alle berufspolitischen Termine auf dem Kongress sehen Sie im Überblick in der Agenda.
Das BvDU-Thema des DGU-Kongresses „Transformation im Gesundheitswesen – Chancen für die Urologie von morgen“ finden Sie aus den verschiedenen Blickwinkeln der Versorgung darüber hinaus in den Beiträgen von „Die Urologie“, Heft 9, beleuchtet. Das PDF-Download der Beiträge finden Sie hier.
