Kliniken unter Druck: Wie Urologische Abteilungen dem Sparkurs die Stirn bieten können
Kliniken können sich nicht gesundsparen – der BvDU sieht eine Chance darin, ihr urologisches Geschäftsmodell umzubauen
Kliniken unter Druck: Wie Urologische Abteilungen dem Sparkurs die Stirn bieten können
Die urologischen Kliniken stehen mitten in der größten Strukturverschiebung seit Einführung der DRG. Krankenhausreform, KHVVG, KHAG, NotfallG, Transformationsfonds, Leistungsgruppen, Vorhaltevergütung, Hybrid-DRG, AOP und GKV-BStabG greifen ineinander. Das Ergebnis: weniger Sicherheit, mehr Steuerung, mehr Nachweispflichten – und gleichzeitig weniger Geld. Mit dramatischen Folgen für Weiterbildung und den urologischen Nachwuchs.
Ab 2030 greift zusätzlich eine neue Vorhaltevergütung, bei der ein erheblicher Teil der Krankenhausfinanzierung an zugelassene Leistungsgruppen und Mindestvorhaltezahlen gekoppelt wird. Die bisherigen Fallpauschalen werden im Gegenzug um die ausgegliederten Kostenanteile abgesenkt. Für urologische Abteilungen heißt das: Wer die Qualitätskriterien und Mindestfallzahlen nicht erfüllt, riskiert den Verlust ganzer Leistungsgruppen – und damit der Erlöse.
Krankenhausschließungen, Insolvenzen, Fusionsdruck: Die Schlagzeilen rund um die Krankenhausreform klingen nicht nur dramatisch – sie sind es auch. Der Berufsverband der Deutschen Urologie (BvDU) warnt: „Wer Kliniken in dieser Lage allein auf Kostensenkung verweist, hat die Versorgung nicht verstanden. Urologische Kliniken sind keine Excel-Zeile. Sie sichern Notfallversorgung, Onkologie, Weiterbildung, operative Expertise und regionale Erreichbarkeit. Wenn diese Strukturen einmal weg sind, kommen sie nicht per Ministererlass zurück. Und: Der Eingriff in die Therapiehoheit der Klinikärzte wird aufgrund des Kostendrucks immer existenzieller.“
Mit fatalen Auswirkungen: Personalnotstand durch Nichtbesetzung neuer Stellen und die Abwanderung der Expertise aus der Klinik in die Niederlassung – mit der Gefahr des Erhalts der Leistungsgruppen im Nachgang -. Klinisch tätige Ärztinnen und Ärzte kämpfen sich durch Regelwerke der H-DRG`s und DRG`s für die Patientensteuerung im Kontext von Ambulantisierung. – Die Beantragung von Geldern für deren Umsetzung halten klinisch Tätige zudem nicht in Händen.
Der BvDU-Vorstand ist überzeugt: „Um handlungsfähig zu bleiben, müssen Urologische Kliniken ihr urologisches Leistungsprofil aktiv überprüfen. Die erste Frage lautet: Welche Leistungsgruppen sichern den Standort? Welche Kooperationen sind notwendig? Welche Leistungen gehören stationär, welche ambulant, welche in sektorengleiche Vergütung und welche in Spezialstrukturen? Wer diese Fragen erst stellt, wenn Bescheide und Budgets Fakten schaffen, kommt zu spät.“
Ein zentraler Hebel ist die Ambulantisierung. Hybrid-DRG und AOP sind kein Randthema mehr. Sie verändern OP-Planung, Patientenpfade, Dokumentation, Nachsorge, Sachkostenkalkulation und Erlössteuerung. Kliniken müssen deshalb ambulante OP-Strukturen professionell aufstellen: klare Indikationspfade, Kostenträgerprüfung, Sachkostencontrolling, Entlassmanagement, Kooperation mit niedergelassenen Urologinnen und Urologen und ein konsequentes Monitoring der Wirtschaftlichkeit. Ambulantisierung darf nicht heißen: gleiche Leistung, gleiches Risiko, weniger Erlös.
Ein weiterer Ansatz ist die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV), insbesondere bei urologischen Tumoren. Die ASV ist kein Allheilmittel. Aber sie ist für geeignete Standorte ein starkes Instrument, um komplexe uroonkologische Versorgung sektorenübergreifend, qualitätsgesichert und wirtschaftlich besser planbar zu organisieren. Entscheidend ist dabei die Teamstruktur: Klinik und Vertragsarztseite müssen zusammenarbeiten. Wer ASV nur als Abrechnungsvehikel versteht, scheitert. Wer sie als Versorgungsnetz baut, gewinnt.
Auch sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen können ab 2027 für einzelne Standorte relevant werden. Sie werden nicht jede urologische Klinik retten. Aber sie können helfen, Grund- und Notfallversorgung regional neu zu organisieren, wenn klassische stationäre Strukturen unter Druck geraten. Der BvDU setzt sich dafür ein, dass urologische Expertise in solchen Modellen nicht verschwindet, sondern verbindlich eingebunden wird.
In allem sieht BvDU-Schriftführerin Mira Faßbach die Weiterbildung als wundesten Punkt. Wenn Kosten eingespart werden und ambulante und kurzstationäre Fälle zunehmen, kann und darf Weiterbildung nicht zum Kollateralschaden werden. Der BvDU setzt sich für seine Mitglieder für gemeinsame Rotationsmodelle für Kliniken und Praxen, verlässliche Supervision und finanzierte Zeit für Nachwuchsförderung ein.
„Kliniken können viel tun. Aber sie können politische Unterfinanzierung nicht wegorganisieren“, so der Vorstand des Berufsverbands. „Deshalb bleibt unsere Forderung klar: Strukturwandel ja – kalter Strukturbruch nein. Der BvDU tritt dafür ein, dass urologische Klinikversorgung nicht zwischen Reformen und Spargesetz zerrieben wird. Transformation braucht Finanzierung. Alles andere ist Versorgung auf Verschleiß.“
Alle berufspolitischen Termine auf dem Kongress sehen Sie im Überblick in der Agenda.
Das BvDU-Thema des DGU-Kongresses „Transformation im Gesundheitswesen – Chancen für die Urologie von morgen“ finden Sie aus den verschiedenen Blickwinkeln der Versorgung darüber hinaus in den Beiträgen von „Die Urologie“, Heft 9, beleuchtet. Das PDF-Download der Beiträge finden Sie hier.
