Mobile Selbsttests und Heimtest-Kits mit Laboranalyse gewinnen rasant an Marktbedeutung. Krankenkassen und Handelsunternehmen adressieren damit nachvollziehbar den Wunsch nach niedrigschwelliger Vorsorge und schneller Orientierung. Gleichzeitig verschiebt sich ein zentraler Teil der diagnostischen Prozessverantwortung vom ärztlichen Versorgungssystem hin zum Patienten. 

Der BvDU positioniert sich in der Frage mobiler Tests klar: Besonders bei mobilen PSA-Werten besteht ein hohes Risiko für Fehlinterpretationen und diagnostische Folgekaskaden. Die Erbringung ärztlicher Leistungen, wonach insbesondere die Indikationsstellung zur Diagnostik, aber auch die Qualitätskontrolle von Analytik und Prä-Analytik sowie Beratungsleistungen zählen, kann nicht durch Dritte umgangen werden. Sie muss in transparenten Strukturen mit klarer, für Patientinnen und Patienten sichtbarer individueller ärztlicher Verantwortung, fachlicher Qualifikation und berufsrechtlicher Kontrolle erfolgen. 

Angebote von PSA-Selbsttests für Versicherten durch Krankenkassen bewertet der BvDU aufgrund der fehlenden präanalytischen Beratung als kritisch. Es wird auf die aktuelle Fassung der S3 Leitlinie Prostatakarzinom (Version 8.1) verwiesen, wonach eine ergebnisoffene Beratung über Vor- und Nachteile vor einer Früherkennungsuntersuchung erfolgen soll (siehe Kapitel 4.2 und 4.3). Im Rahmen der unreflektierten Testung besteht die Befürchtung der Verunsicherung von Männern und in deren Folge Kosten durch additive Arztbesuche und Folgekosten durch apparative Leistungen (z.B. mpMRT), welche derzeit nicht im vollen Umfang von den Krankenkassen getragen werden. Die Erbringung ärztlicher Leistungen, wonach insbesondere die Indikationsstellung zur Diagnostik, aber auch die Qualitätskontrolle von Analytik und Prä-Analytik sowie die o.g. Beratungsleistungen zählen kann nicht durch Dritte umgangen werden. Sie muss in transparenten Strukturen mit klarer, für Patientinnen und Patienten sichtbarer individueller ärztlicher Verantwortung, fachlicher Qualifikation und berufsrechtlicher Kontrolle erfolgen. 

Zusätzlich besteht das Risiko einer falsch verstandenen Entwarnung bei einem PSA-Wert im Referenzbereich. Ein unauffälliges Testergebnis kann dazu führen, dass bestehende oder zunehmende Beschwerden des unteren Harntraktes bagatellisiert und ärztliche Abklärungen verzögert werden. Dabei lassen sich aus einem PSA-Wert weder der funktionelle Zustand der Harnblase noch das Ausmaß einer funktionellen Abflussbehinderung ableiten. Klinisch relevante Erkrankungen, wie beispielsweise eine ausgeprägte Blasenentleerungsstörung, bleiben durch PSA-basierte Selbsttests unerkannt.

Home-Testing kann damit unbeabsichtigt eine trügerische Sicherheit vermitteln und den notwendigen frühzeitigen fachärztlichen Kontakt verzögern. Aus urologischer Sicht stellt dieses Risiko eine wesentliche Gefahr für die Patientensicherheit durch unstrukturierte Selbsttest-Strategien dar.