Die wirtschaftliche Lage der Arztpraxen verschlechtert sich spürbar: Laut einer Vorab-Auswertung des Zi-Praxis-Panels (ZiPP) sind die realen Jahresüberschüsse 2023 um 13,3 Prozent eingebrochen. Bereits 2022 hatte es ein reales Minus von 4,7 Prozent gegeben. Damit ergibt sich für den Zeitraum von 2020 bis 2023 inflationsbereinigt ein durchschnittlicher Rückgang der Jahresüberschüsse um 3,4 Prozent pro Jahr.
Ausschlaggebend ist vor allem die auseinanderlaufende Entwicklung von Einnahmen und Kosten. Während die Gesamteinnahmen der Praxen zwischen 2020 und 2023 um 11,1 Prozent zulegten, stiegen die Aufwendungen im gleichen Zeitraum um 17,6 Prozent und damit stärker als die all-gemeine Preisentwicklung.
Der BvDU prangerte genau diese zunehmend auseinanderfallende Spanne zwischen Ausgaben und Einnahmen im Kontext seiner Stellungnahmen und Forderungen rund um die Verabschiedung des GKV-Sparpaketes an.
Den größten Anteil an den Kostensteigerungen haben dem Zi zufolge die Personalausgaben. Sie nahmen zwischen 2020 und 2023 um 26,5 Prozent zu und machten zuletzt rund 58 Prozent der Gesamtaufwendungen aus. Im Jahr 2023 lagen die Personalaufwendungen je Praxisinhaber im Schnitt bei 106.200 Euro. Auch Mieten und Nebenkosten stiegen deutlich (+12,2 Prozent seit 2020), unter anderem infolge der Energiekrise. Demgegenüber entwickelten sich die Aufwendungen für Material und Labor nur moderat. Rückläufig sind hingegen die Abschreibungen, laut Zi ein Hinweis auf eine geringere Investitionstätigkeit in den Vorjahren.
Einnahmen gehen zurück
Die kassenärztlichen Erlöse, die rund 80 Prozent der Gesamteinnahmen ausmachen, gingen dem ZiPP zufolge 2023 um 4,4 Prozent zurück. In den Jahren zuvor hatte es hier noch Zuwächse gegeben (+10,3 Prozent in 2021), die allerdings vor allem auf Sondereffekte der COVID-19-Impfkampagne zurückzuführen seien. Die Privateinnahmen stiegen dagegen im gleichen Zeitraum um 6,7 Prozent.
Zi-Vorstandsvorsitzender Dr. Dominik von Stillfried bewertete die Entwicklung als strukturelles Problem. Die Pandemie habe die wirtschaftliche Lage nur kurzfristig stabilisiert. Mit dem Wegfall der Impfeffekte träten die strukturellen Probleme nun umso deutlicher zutage. Ohne diese Sondereffekte wäre bereits zuvor ein kontinuierlicher Rückgang der Überschüsse sichtbar gewesen. Steigende Personal- und Betriebskosten träfen auf eine begrenzte oder sogar rückläufige Einnahmenentwicklung.
Vor diesem Hintergrund warnte das Zi vor Konsequenzen für die Versorgung. „Eine Fortsetzung dieser Entwicklung gefährdet den Bestand der Praxen und damit das Leistungsniveau der ambulanten Versorgung für gesetzlich Versicherte“, sagte von Stillfried. Wenn Kostensteigerungen nicht ausgeglichen würden, könne dies auch die Niederlassungsbereitschaft junger Ärztinnen und Ärzte beeinträchtigen. Die Bundesregierung müsse daher die Stärkung der ambulanten Versorgung in den Mittelpunkt ihrer Reformagenda stellen. Eine anhaltende Kürzung der Vergütung wirke sich „nur negativ auf die Versorgung der Patientinnen und Patienten“ aus.
Die vorliegenden Ergebnisse basieren nach Angaben des Zi auf einer Erhebung unter 2.829 Praxen, von denen 1.932 vollständige Angaben für den Zeitraum von 2020 bis 2023 geliefert haben. Die finalen Ergebnisse will das Zi zu einem späteren Zeitpunkt im Jahresbericht veröffentlichen.
Quellen: Zentralinstitut der Kassenärztlichen Vereinigungen (Zi), Ärztenachrichtendienst (änd)
