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BvDU warnt: PSA-Heimtests gefährden Patientensicherheit

Der Markt für medizinische Selbsttests wächst rasant. Neben frei verkäuflichen Heimtests aus dem Einzelhandel treten inzwischen auch Krankenkassen als Anbieter entsprechender Programme auf. So stellt etwa die Mobil Krankenkasse ihren Versicherten PSA-Testkits zur eigenständigen Probennahme zur Verfügung – und positioniert dieses Angebot als Beitrag zur Prostatakrebsfrüherkennung.

Der Berufsverband der Deutschen Urologie (BvDU) sieht diese Entwicklung kritisch und warnt vor erheblichen Risiken für Patienten.

Patienten werden mit Testergebnissen allein gelassen

Nach Überzeugung des BvDU „erzeugen mobile PSA-Tests im Zweifel mehr Verunsicherung als medizinischen Nutzen. Falsch-positive Ergebnisse könnten unnötige Ängste auslösen, während unauffällige Werte Männer trotz individueller Risikokonstellationen in falscher Sicherheit wiegen könnten.“

„Der PSA-Wert ist kein Ja-/Nein-Indikator, sondern ein Steuerungsparameter innerhalb eines komplexen diagnostischen Pfades. Ein isolierter Messwert ohne ärztliche Einordnung kann medizinisch in die Irre führen“, so der BvDU-Vorstand.

Mangelnde Qualität mobiler Tests im Vergleich zum ärztlich/labormedizinisch bestimmten PSA-Wert

Medizinisch sind klassische PSA-Selbsttests für zuhause nicht auf dem Qualitätsniveau eines ärztlich/labormedizinisch bestimmten PSA-Werts. Mit anderen Worten: die ermittelten Werte können falsch sein oder zeigen nur ja/nein an. Hinzu kommt aus Sicht des BvDU ein praktisches Problem: „Die eigenständige Probenentnahme zu Hause sei – insbesondere bei Kapillarblut – anfällig für Fehler und könne die Aussagekraft der Ergebnisse zusätzlich beeinträchtigen.“ Dazu kommt: Studien, die eine vermeintlich höhere Evidenz der Kapillarblut-Tests mit zentraler Laboranalyse im Vergleich zu Tests mit anderen Verfahren belegen, laufen mit Kapillarblut, das sofort untersucht wird. Beim Mobile Test wird das Blut mit der Post versandt. Belegt ist, dass selbst bei regulären Blutentnahmen das Blut taggleich verarbeitet werden muss. Wird die Analyse später durchgeführt, sollte das Blut gekühlt oder, noch besser, eingefroren werden und vorher Serum hergestellt werden. Dies erfolgt bei mobilen PSA-Tests nicht, was weiter zu falschen Ergebnissen führen kann.

Paradoxe Versorgungspolitik

Aus Sicht des Berufsverbands ist die aktuelle Entwicklung auch gesundheitspolitisch konterkarierend.

Während gesetzliche Krankenkassen bislang nicht bereit sind, die leitliniengerechte Früherkennung in der ärztlichen Versorgung als Regelleistung zu etablieren, werden gleichzeitig Heimtestprogramme unterstützt, die ohne medizinische Begleitung durchgeführt werden.

„Es ist schwer vermittelbar, dass Kassen nicht bereit sind, die leitliniengerechte ärztliche Diagnostik zu finanzieren, gleichzeitig aber Selbsttests fördern, die Patienten ohne Beratung und Einordnung mit einem sensiblen Tumormarker allein lassen“, so der BvDU-Präsident Dr. Axel Belusa.

„Hinzu komme, dass die Kosten solcher Programme nach Einschätzung des Berufsverbands sogar über den Preisen einer ärztlich begleiteten Selbstzahlerleistung in der Praxis liegen müssten.“

Leitlinienbasierte Früherkennung statt Selbstdiagnostik

Der BvDU fordert erneut, die PSA-Bestimmung sowie die transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS), wie sie im Positionspapier „Risikoadaptierte Prostatakarzinomfrüherkennung 2.0“ der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) vorgesehen sind, in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung aufzunehmen.

Unverändert gilt zudem die Krebsfrüherkennungs-Richtlinie: Vertragsärztinnen und Vertragsärzte sind verpflichtet, die digitale rektale Untersuchung im Rahmen der Männerkrebsfrüherkennung durchzuführen – solange der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) keine anderen Regelungen beschließt.

„Ein unselektiertes PSA-Home-Testing ohne verpflichtende ärztliche Aufklärung widerspricht dem leitlinienbasierten Ansatz der Früherkennung“, betont der Berufsverband.

Risiko für die Patientensicherheit

Besonders problematisch sei die mögliche Fehlinterpretation eines unauffälligen PSA-Werts.

Ein scheinbar normales Ergebnis könne dazu führen, dass Männer bestehende Beschwerden des unteren Harntrakts bagatellisieren und eine notwendige ärztliche Abklärung verzögern.

Dabei lasse sich aus einem PSA-Wert weder der funktionelle Zustand der Harnblase, noch das Ausmaß einer Abflussstörung ableiten. Erkrankungen wie schwere Blasenentleerungsstörungen würden durch PSA-basierte Selbsttests daher überhaupt nicht erkannt.

Der BvDU warnt davor, dass Home-Testings unbeabsichtigt eine trügerische Sicherheit vermitteln könnten. „Früherkennung braucht ärztliche Beratung, qualitätsgesicherte Diagnostik und eine klare medizinische Verantwortung. Ein isolierter Selbsttest kann diese Struktur nicht ersetzen und bergen aus urologischer Sicht ein relevantes Risiko für die Patientensicherheit.“