BvDU fordert Kurskorrektur in der Gesundheitspolitik- und gemeinsames Handeln Aller
Mehr leisten. Mehr sparen. Mehr Bürokratie. Weniger Geld. So kann Versorgung nicht funktionieren.
BvDU fordert Kurskorrektur in der Gesundheitspolitik – und ruft Urologinnen und Urologen zum gemeinsamen Handeln auf
Mehr Patientinnen und Patienten versorgen, mehr Termine bereitstellen, zusätzliche Vorgaben erfüllen und zugleich mit weniger finanziellen Mitteln auskommen: Aus Sicht des Berufsverbands der Deutschen Urologie e. V. (BvDU) gerät die aktuelle Gesundheitspolitik zunehmend in einen grundlegenden Widerspruch. Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, neuen Vorgaben zur Terminsteuerung und der anhaltenden Unsicherheit um die Zukunft der Hybrid-DRG werden die Spielräume in Praxis, MVZ und Klinik eng. Gleichzeitig wächst der administrative Aufwand.
„Wir erleben bei vielen Kolleginnen und Kollegen nicht mehr nur Frust, sondern ein Gefühl politischer Ohnmacht. Genau das dürfen wir nicht einfach hinnehmen. Aus Ohnmacht muss Handlung werden“, erklärt BvDU-Präsident Dr. Axel Belusa. „Wer immer neue Anforderungen an die Versorgung stellt, muss auch erklären, wer sie mit welchen Ressourcen und mit welcher Finanzierung erfüllen soll.“
Besonders deutlich wird der Widerspruch bei der Debatte um Facharzttermine. Nach einer aktuellen Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung wurden von Oktober 2025 bis September 2026 rund 3,58 Millionen Termine von Praxen an die Terminservicestellen gemeldet. Gebucht wurden davon lediglich rund zwei Millionen. Ein erheblicher Teil der von den Praxen bereitgestellten Kapazitäten wurde damit überhaupt nicht nachgefragt; darüber hinaus werden auch gebuchte Termine teilweise nicht wahrgenommen. Trotzdem sollen die gesetzlichen Meldepflichten verschärft und feste Terminkontingente vorgegeben werden.
Für den BvDU geht diese Steuerungslogik am Kern des Problems vorbei. Eine Meldepflicht schafft keinen zusätzlichen Facharzttermin. Eine Termingarantie schafft keine zusätzliche Ärztin, keinen zusätzlichen Arzt und keine zusätzliche MFA. Werden Kapazitäten für zentral gemeldete Termine freigehalten, die anschließend nicht genutzt werden, fehlen sie an anderer Stelle – bei Bestandspatienten, in der Tumornachsorge oder in der Akutversorgung. Patientensteuerung kann sinnvoll sein. Wenn sie nicht in reine Kapazitätsverwaltung umschlägt.
Hinzu kommt eine stetig wachsende Regulierungs- und Dokumentationsarchitektur. Qualitätssicherung ist unverzichtbar. Sie darf aber nicht dazu führen, dass Ärztinnen und Ärzte für immer neue Nachweis-, Beteiligungs- und Dokumentationsprozesse aus der unmittelbaren Patientenversorgung herausgenommen werden. Auch Verfahren im Umfeld von G-BA und IQTIG müssen deshalb konsequent darauf geprüft werden, welchen konkreten Nutzen sie für die Versorgung erzeugen und welchen Aufwand sie bei den Leistungserbringern verursachen. Das IQTIG wird über den G-BA-Systemzuschlag und damit über ambulante und stationäre Behandlungsfälle mitfinanziert.
„Es geht nicht darum, Qualitätssicherung, Digitalisierung oder Patientensteuerung grundsätzlich abzulehnen“, betont der BvDU-Vorstand. „Es geht darum, die Verhältnismäßigkeit wiederherzustellen. Ärztliche Arbeitszeit ist eine knappe Ressource. Jede Stunde, die unnötig in Bürokratie gebunden wird, fehlt für Versorgung, Weiterbildung und medizinische Entscheidungen. Zu den notwendigen Reformen des Gesundheitswesens gehört deshalb zwingend auch eine Reform seiner Bürokratie.“
Der BvDU fordert – und handelt
Der Berufsverband beschränkt sich nicht darauf, politische Entwicklungen zu kommentieren. Bundesvorstand und Landesverbände bringen die urologische Forderungen gegenüber Politik, Bundes- und Landesärztekammern, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und regionalen KVen ein. Gemeinsam mit dem SpiFa sowie weiteren ärztlichen Organisationen vertritt der BvDU die Interessen der Urologinnen und Urologen in Praxis, MVZ und Klinik.
Der Verband begleitet die konkreten Auswirkungen des GKV-Spargesetzes und der regionalen Honorarverteilung, setzt sich für tragfähige Lösungen bei Hybrid-DRG und Ambulantisierung ein und informiert seine Mitglieder über rechtliche, wirtschaftliche und organisatorische Handlungsoptionen. Zugleich nutzt der BvDU Fach- und Publikumspresse, um sichtbar zu machen, welche Folgen politische Entscheidungen für die Versorgung vor Ort haben.
Das allein reicht aber nicht.
Berufspolitische Wirkung entsteht nur, wenn sie von den Urologinnen und Urologen selbst getragen wird. Der BvDU ruft deshalb dazu auf, sich an den laufenden Kampagnen der Ärzteschaft zu beteiligen, Informationsmaterial in Praxen und Kliniken sichtbar zu machen und Patientinnen und Patienten sachlich darüber zu informieren, welche Folgen aktuelle politische Entscheidungen für ihre Versorgung haben können.
Gleichzeitig müssen Praxen und Kliniken ihre eigenen Strukturen konsequent überprüfen. Kosten, Leistungsportfolio, Kooperationsmöglichkeiten und die Auswirkungen der regionalen Honorarverteilung müssen transparent sein. Auch operative Kompetenz darf trotz der Unsicherheit um die Hybrid-DRG nicht vorschnell aufgegeben werden. Genau hierzu ruft der BvDU seine Mitglieder bereits auf.
„Die Leistungsträger des Gesundheitswesens müssen wieder in den Mittelpunkt der Reformen gerückt werden“, so der BvDU-Vorstand. „Nicht, weil Ärztinnen und Ärzte Sonderrechte verlangen, sondern weil Versorgung ohne sie nicht stattfindet. Politik kann Rahmen setzen. Behandeln, operieren, beraten und Verantwortung tragen müssen am Ende andere. Wer von ihnen mehr Leistung erwartet, muss ihnen dafür Zeit, Planungssicherheit und eine angemessene Finanzierung geben.“
Aus Sicht des BvDU ist deshalb klar: Nicht resignieren, sondern handeln. Nicht jeder kann Gesundheitspolitik in Berlin verändern. Aber jede Urologin und jeder Urologe kann dazu beitragen, ihre Folgen sichtbar zu machen. Je geschlossener die Urologie auftritt, desto schwerer lässt sich ihre Versorgungsrealität übergehen.
