BvDU und „Apps auf Rezept“ in der Uro-Onkologie – Wie, wann und vor allem: Warum?

Verschiedene Apps auf dem Smartphone

Apps auf Rezept kommen als Weltneuheit in Deutschland im Jahr 2020 in die nationale Regelversorgung und in den GKV Leistungskatalog. Urologen können sich jetzt schon mit aktuellem Material und konkreten Beispielen auf die Umsetzung in der Praxis und Fragen von Patienten vorbereiten.

Seitdem der Referentenentwurf zum „Digitale- Versorgung-Gesetz“ (DVG) vorliegt und das Gesetz Ende 2019 auch sehr zügig in Kraft getreten ist, sind sogenannte Digitale Gesundheitsanwendungen („DiGas“) als Apps auf Rezept in aller Munde. Deutschland wird weltweit das erste Land sein, indem DiGa unter bestimmten Voraussetzungen in den nationalen Leistungskatalog aufgenommen und von (Zahn-)Ärzten und Psychotherapeuten verordnet werden können. Eine extrabudgetäre EBM-Vergütung ist für die DiGa-Verordnungen vorgesehen. Das Potential von Digitalen Gesundheitsanwendungen bezieht sich vorrangig auf:

  • Vereinfachung und Optimierung von Behandlungsprozessen – aufgrund der demographischen Entwicklung, zunehmender Multimorbidität und gleichzeitigem Fachkräftemangel müssen Behandlungsprozesse optimiert werden.
  • Die exponentielle Entwicklung des medizinischen Wissenstands, insbesondere in der Onkologie mit einer zunehmenden Subspezialisierung.

In diesen Situationen können DiGas eingespeist werden und insbesondere bei komplexen Erkrankungen durch eine Bündelung des Wissens bzgl. Diagnostik und Behandlungsoptionen beitragen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist damit beauftragt worden, entsprechende DiGa-Anträge zur App auf Rezept zu prüfen und zu bescheiden. Bisher gibt es wenig Erkenntnisse und Evidenz zum Einsatz und Nutzen von DiGas. Aktuell wurde z. B. beim Prostatakarzinom (PCa) auf die Notwendigkeit eines interaktiven und validierten Informationsinstruments für die Therapieentscheidung im Rezidivfall und beim metastasierten kastrationsresistenten PCa hingewiesen. In einer weiteren aktuellen Arbeit wurde berichtet, dass bereits viele Männer mit einem PCa das Internet als Informationsquelle nutzen (via dem oftmals etwas leidigem Kollegen „Dr. Google“) und dass die Online Informationssuche mit einer erhöhten Krankheitsangst assoziiert ist.

DiGa Projektbeispiel PROSTANA® für Patienten mit Prostatakarzinom – vom BvDU unterstützt

Ein aktuelles vom BvDU unterstütztes DiGa-Projektbeispiel ist PROSTANA ® für Patienten mit Prostatakarzinom. Mit dem als Medizinprodukt CE-gekennzeichneten Programm, wurde von der GAIA AG (Hamburg) in enger Kooperation mit niedergelassenen Urologen, Patienten mit einem PCa und Psychologen ein interaktives und patientenzentriertes Expertensystem entwickelt. Im Programm ist jederzeit der aktuelle Stand der S3-Leitlinie und auch alle Tumorstadien des PCa abgebildet. Vermittelt werden vor allem Informationen zur Erkrankung, der Diagnose und den Therapieoptionen – der vorrangige Anwendungszeitraum besteht somit ab der Diagnose bis zur Therapieentscheidung mit dem behandelnden Urologen. Das Programm wird in der sog. EasiPRO3-Studie evaluiert. Positive Zwischenergebnisse wurden bereits auf dem DGU 2018 vorgestellt.

Grafik einer Familie. Logos

Lesen Sie den ausführlichen Artikel von Dr. Peter Kollenbach (Kassel), Dr. Markus Schöne (Speyer) und Dr. Michael Rug (Karlsruhe) in  ▶ Der Urologe 10/2020

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