Die Urologie benötigt Versorgungsforschung

Schriftzug im Scheinwerferlicht

Urologen behandeln rund ein Drittel aller Tumorpatienten in Deutschland. Neben den Gynäkologen sind wir damit das Fach mit den meisten onkologischen Patienten. Noch immer ist das Prostatakarzinom die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Aber auch die Anzahl der Neuerkrankungen von Harnblasenkrebs steigt in den letzten Jahren bei beiden Geschlechtern kontinuierlich.

In der Versorgung aller onkologischer Patienten, insbesondere aber bei Prostatakrebspatienten, ist eine Abstimmung der komplexen Therapiepläne erforderlich. Das gesamte Behandlungsnetzwerk muss eng zusammenarbeiten und sich ständig austauschen. Doch wie sieht die Realität aus? Versorgen wir unsere Patienten bestmöglich? Wie gut funktioniert der Austausch zwischen Klinik und urologischer Praxis?

Versorgungsforschung hat Schlüsselrolle

Bei der Beantwortung dieser Fragen kommt der Versorgungsforschung eine Schlüsselrolle zu. Sie liefert auch in der Urologie wichtige Erkenntnisse zum Versorgungsgeschehen und zur Analyse der Versorgungsqualität. Eine wichtige Basis für die Datengewinnung sind dabei unter anderem die klinischen Krebsregister. Alle Facharztgruppen, die Patienten mit onkologischen Erkrankungen betreuen, sind seit April 2013 dazu gesetzlich verpflichtet, das für sie zuständige Landeskrebsregister fortlaufend darüber zu informieren. So zumindest das Gesetz.

Doch in der Praxis sieht das ganz anders aus. Gerade zog ein Prognos-Gutachten im Auftrag des GKV-Spitzenverbands eine kritische Bilanz der bisherigen Aufbauarbeit bei klinischen Krebsregistern. Danach erfüllten nur wenige bislang alle notwendigen Kriterien. Im Bericht heißt es, es liege oft an technischen Problemen bei den Registern. Außerdem werden nach wie vor Daten zu Neuerkrankungen nicht vollständig gemeldet. Oder es fehlen wichtige Angaben in den Meldebögen.

Urogister vereinfacht die verpflichtende Krebsregistermeldung 

Seit der Umstellung auf ein online-basiertes Meldeverfahren ist das Prozedere für Praxen sehr komplex und aufwändig geworden. Mit Urogister, dem Gemeinschafsprojekt des BvDU mit dem DIFA (Deutsches Institut für Fachärztliche Versorgungsforschung), können Praxen jedoch diesen Aufwand minimieren und den Meldeprozess beschleunigen. Durch Einbindung dieser Software werden alle bereits vorhandenen Daten aus dem Arztinformationssystem in die Krebsregister-Meldung übernommen. Mittelfristig bedeutet die Nutzung von Urogister sogar finanziell eine zusätzliche Einnahmequelle, da die Meldungen vergütet werden.

Weiterer Bestandteil der Zusammenarbeit des Berufsverbands mit dem DIFA ist Uroscience, eine umfangreiche Datensammlung für die urologische Versorgungsforschung. Uroscience stellt hochwertige, anonymisierte Versorgungsdaten bereit und ermöglicht damit ausgewählte Versorgungsforschungsprojekte. Der Uroscience-Beirat mit Experten aus Berufspolitik und Wissenschaft berät unabhängig und unterstützt das Präsidium des Berufsverbands rund um die Forschungsprojekte. Er ermöglicht und sichert damit die voll umfängliche Kontrolle der Daten im Sinne der teilnehmenden Urologen und des Berufsverbands.

Versorgungsforschung ist wichtig – ohne Frage. Die Zukunft wird zeigen, ob es gelingt, von der Urologie und weiteren Disziplinen gemeinsam getragene Anstrengungen für das Wohl und bestmögliche Versorgung unserer Patienten zu initiieren.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Dr. Axel Schroeder
Präsident Berufsverband der Deutschen Urologen e. V.


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